Pollença:Kleine Stadt mit großer Geschichte

Wer in Pollença lebt, weiß warum. Das geschichtsträchtige Städtchen im Norden weiß seine Besucher in seinen Bann zu ziehen. Buntes Leben auf der Plaza, stille Gässchen, viel Geschichte und einen Berg, den es zu erobern gilt, lassen keine Langeweile aufkommen.

Unser Frühstück verkürzt sich etwas, weil wir auf den Puig del Pollença wollen, den kleinen Berg mit dem großen Kloster, der Pollença vom Meer trennt. Auf der Fahrt auf der sonntäglich vollen Autobahn von Palma nach Norden war das schnelle Frühstück schnell vergessen. Mallorcas nördliche Seite mit dem Städtchen Pollença ist einfach traumhaft schön. Ein landschaftliches Gedicht, das die Natur dort jeden Tag aufs Neue schreibt. Deshalb waren sie alle dort und haben ihre Spuren hinterlassen. Die ganz alten stammen von den Talaioten, die schon vor über 3.000 Jahren dort waren. Die ganz berühmten haben die Römer ab dem Jahr 123 hinterlassen. So kann außerhalb des 16.000 Einwohner zählenden Städtchens am Torrent de Sant Jordi die alte römische Brücke (El Pont Romà) bewundert werden, die einst zur Wasserversorgung von den erfindungsreichen Römern gebaut wurde.

Kurz vor Pollença ist der Golfplatz, der uns heute nicht ablenken darf und der direkt am Fusse des Puig de Pollença liegt. Dort, im Schutz des Klosterberges, liegt auch die Finca Son Brull, die immer einen Besuch wert ist. Das Konvent aus dem 18. Jh. liegt wurde von seinen Besitzern mit viel Geschmack in ein Luxushotel verwandelt, in dem alte und neue Architektur zu einem spannenden Ganzen vereint wurden. Wer nicht übernachten möchte, der kann sich kulinarisch verwöhnen lassen, einen Kochkurs machen oder Live-Jazzmusik genießen.

Pollença hat eine bewegte Geschichte geschrieben. Nach der Zerstörung durch die Vandalen zerstreuten sich die Einwohner ins Landesinnere. Erst im 13. Jahrhundert bringen die Truppen von König Jaume I. die christliche Welt und die katalanische Kultur in den Inselnorden und prägten damit das heutige Gesicht der Stadt mit seinen vielen historischen, vor allem kirchlichen Bauten. Da der Puig mit seinen 330 Metern Höhe in einer knappen Stunde zu bezwingen sein dürfte, parken wir das Auto am Stadteingang, wo das Parken kein Problem ist und noch keine engen Gassen zum Irrgarten werden. Das Zentrum ist in zehn Minuten zu Fuß schnell erreicht. Ein paar enge Gassen und stehen wir mitten im sonntäglich bunten Trubel auf der Plaza Mayor, der von Kirche Parroquial aus dem 18 Jh. dominiert wird.

Der sonntägliche Obst- und Gemüsemarkt ist ein multikultureller Anziehungspunkt. Über den Tischen der vielen Straßencafés schwebt ein Gemisch aus englischer, spanischer, mallorquinischer, deutscher und französischer Heiterkeit. Zum Anbeißen sieht das frische Obst aus, dazwischen Stände mit Oliven, Sobrasada und Obst in allen Gattungen. Ein Treiben, das bei einem café con leche im Café Espanyol gut zu beobachten ist. Auf jeden Fall lohnt sich anschließend ein Bummel durch die Gassen, um die künstlerische Tradition und Bedeutung des Städtchens zu entdecken. Wer Kunsthandwerk zu schätzen weiß wird hier sicher findig. Keine Massenware aus China, sondern wunderschöne Handarbeiten. Der Schmuck von Sergio hat es uns besonders angetan. Die Steine besorgt seine Schwester in Asien und seine Frau fertigt daraus filigrane Armreifen, ideenreiche Schmucksets und vieles mehr und das alles zu durchaus erschwinglichen Preisen. Pollença hat sich in den letzten Jahrzehnten in der internationalen Kunstszene einen Namen gemacht. Angefangen hat es in den 60er Jahren mit dem Sommersalon der Malerei , der heute jährlich als Certamen Internacional d’Arts Plàstiques im Sommer zelebriert wird und eine Heimat im Museum von Pollença gefunden hat. Ein Besuch lohnt sich.

Wir gehen in Richtung Monti-sion, dem ehemaligen Kloster und Colegio, das lang und mächtig nicht zu übersehen ist und uns den Weg weist zu den 365 Treppenstufen, die hoch zum El Calvari führen. Schurgerade führen die Treppen zur kleinen Kirche aus dem 18. Jh hinauf. Links und rechts stehen Zypressen, hinter denen kleine Gärten und bezaubernde Häuser zu entdecken sind. Die Stufen sind doch anstrengender als sie aussehen und wir sind beim Zählen durcheinander gekommen. Das Päarchen vor uns murmelt ein 153 vor sich hin. Noch fehlt mehr als die Hälfte! Allein sind wir um diese Tageszeit auf den Stufen nicht, deshalb sind die Stufen der Tipp für den romantischen Sommernachtsspaziergang; eine Flasche Wein und ein Stückchen Käse für das Picknick unter freiem Himmel sollten unbedingt dabei sein! Der Ausblick von hier oben ist fantastisch. Pollença liegt zu unseren Füssen und dahinter sieht unser Puig ziemlich hoch aus. Wer es nun etwas ruhiger mag, sollte bei Jane und Terry im u Gallet vorbeischauen. Die kleine Musikbar ist gegenüber vom Monti-sion in einem alten Dorfhäuschen. Tagsüber gibt es Drinks auf dem gepflasterten Platz vor der Bar und abends treffen sich Einheimische und ein multikultureller Mix. Ein Tipp sind die Livemusikabende, bei denen häufig einheimische Gruppen auftreten. Wir gönnen uns einen kühlen Drink und machen uns auf zum Puig.

Der Weg ist gut zu finden. Einfach auf Höhe von km 52 in die schmale Teerstraße einbiegen. Wir sind gespannt auf das Kloster der Nonnen. Der Weg wird steiler, der Puig de Maria sieht wie eine Verbindung vom Land zum Himmel aus. Zum Glück spenden die Steineichen am Wegrand etwas Schatten. Die letzten Häuser haben wir hinter uns und winden uns den Puig hoch. Der Berg hat etwas Mystisches, an jeder Kehre ein unbeschreiblich schöner Blick auf das immer kleiner werdende friedlich aussehende Pollença. Im 14. Jh war das nicht so, da raffte die schwarze Pest einen Großteil der Bevölkerung weg und der Bischoff gab seine Erlaubnis zum Bau einer neuen Kapelle auf dem Puig de Maria. Knapp zwanzig Jahre später nahm die Klostergeschichte ihren Lauf, als sich drei Nonnen neben der Kapelle niederließen und Zeugen einer Erscheinung der heiligen Maria wurden. Noch im selbem Jahrhundert soll ein Verteidigungsturm hinzukommen zum Schutz der Stadt vor Piratenangriffen. Im darauf folgenden Jahrhundert wurden Kirche und Refektorium gebaut. Mittlerweile sind wir auf dem alten Pilgerweg angekommen und genießen einen superschönen Weitblick über die Insel. Alles ist unter uns, scheint weit weg. Vor uns das Kloster. Beeindruckend und erhaben. Sogar übernachten kann man hier. Ideal für Gruppen, Barbecues im Riesenkamin, urige Abendessen und Entspannung total.

Unser Tipp für eine Sommernacht in Pollença:
Besuch des Museums von Pollença, Abendessen auf der Plaza Mayor und ein Abendspaziergang über die 365 Treppen zum El Calvari.